Großeinsatz in Kiel: Polizei stürmt nach Schreien Wohnung – und stößt auf nächtliches „Rollenspiel“

Eine mögliche Bedrohungslage löste in Kiel einen Großeinsatz der Polizei aus. Vor Ort stellte sich die Situation anders dar.

Es wirkte bedrohlich in der Nacht zu Samstag im Kieler Stadtteil Brunswik: Etliche Streifenwagen rasten zu einem Wohnhaus in der Holtenauer Straße – mit zur Eigensicherung gezogenen Waffen drangen die Beamten in eine Wohnung ein, um eine Frau zu retten.

Kurz zuvor, gegen 1.30 Uhr, hatte ein besorgter Anwohner bei der Polizei angerufen. Eine Nachbarin schreie und werde offenbar mit einer Waffe bedroht, schilderte er der Einsatzzentrale, die daraufhin den Großeinsatz ausgelöst hat. „Die Einsatzkräfte mussten von einer akuten Gefahr für Leib und Leben ausgehen“, erklärt die Polizei am Tag darauf ihren „massives“ Aufgebot.

Polizei-Großeinsatz wegen „Rollenspiel“ in Kiel

Nachdem die Beamten sich Zugang zur Wohnung verschafft hatten, gab es die beruhigende Auflösung. Die Bewohner waren lediglich mit einem nächtlichen „Rollenspiel“ beschäftigt, die Hilferufe seien Teil dieses Spiels gewesen. Es habe keine Verletzten und auch keine tatsächliche Bedrohungslage gegeben. Details zu dem „Rollenspiel“ teilte die Kieler Polizei nicht mit. Laut „Hamburger Abendblatt“ hatte es keinen sexuellen Hintergrund. Weder für die Beamten noch für den besorgten Anrufer sei die Situation jedoch als harmlos einzuschätzen gewesen.

Unverrichteter Dinge zog die Polizei ihr Großaufgebot wieder ab, nicht jedoch, ohne wichtige Hinweise zu geben: „Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger bei entsprechenden Freizeitaktivitäten Rücksicht auf die Umgebung zu nehmen und mögliche Missverständnisse im Vorfeld, etwa durch Information an Nachbarn, zu vermeiden“, heißt es in einer Mitteilung. „Bitte handeln Sie umsichtig, damit aus einem Spiel nicht bitterer Ernst wird.“ Die Polizei müsse in solchen Lagen ansonsten immer vom Ernstfall ausgehen, um alle Beteiligten zu schützen.

Quellen: Polizeidirektion Kiel, „Hamburger Abendblatt“