Deutschland erreicht vorzeitig das Achtelfinale bei der Basketball-EM. Doch das gerät zur Nebensache, nachdem Kapitän Schröder von rassistischen Anfeindungen berichtet. Zwei Fans fliegen raus.
Der furiose Erfolg der deutschen Basketballer geriet für Dennis Schröder zur Nebensache. Deutschlands Kapitän berichtete nach dem souveränen 107:88 gegen Litauen bei der EM im finnischen Tampere von rassistischen Anfeindungen in Form von Affengeräuschen.
„Man kann mich beleidigen, aber Affengeräusche ist eine Sache, die ich nicht respektiere und nicht akzeptiere. Rassismus gehört nicht zu diesem Sport“, sagte Schröder, der die Laute beim Gang in die Kabine wahrgenommen hatte. Mit Hilfe des deutschen Trainerteams wurden nach Angaben des Deutschen Basketball Bunds (DBB) zwei Personen identifiziert, die im Anschluss aus der Nokia Arena in Tampere geworfen wurden.
Trainer: „Wir können nur dagegen kämpfen“
„Ich habe mitbekommen, dass Dennis sehr aufgeregt war – zu Recht. Im Sport und im Wettkampf haben solche Sachen nichts zu suchen. Wir hoffen, dass sich das legt und irgendwie gelöst werden kann. Wir können nur dagegen kämpfen“, sagte Trainer Alan Ibrahimagic, der den erkrankten Alex Mumbru im bereits dritten EM-Spiel in Serie erfolgreich vertrat. Er selbst habe die Geräusche nicht gehört, erklärte Ibrahimagic.
Schröder wirkte persönlich gekränkt und sauer – der eigentlich famose Nachmittag mit spektakulärem Basketball des Weltmeisters wurde von den Schmähungen massiv getrübt. „Das kann ich nicht akzeptieren. Rassismus auf dieser Welt, das sollte nicht hierhin gehören“, sagte Schröder in einer ersten Reaktion bei MagentaSport.
Schröder, Wagner und Theis glänzen
Sportlich ist sein Team weiterhin nicht aufzuhalten. Nach dem dritten Sieg nimmt Deutschland Kurs auf die angestrebte Medaille und hat bereits jetzt das Ticket für die Endrunde in Riga sicher.
Angeführt vom Kapitän (26 Punkte) und Franz Wagner (24) zeigte das deutsche Team in Tampere streckenweise titelreifen Basketball und steht nun vorzeitig im Achtelfinale. Anders als bei den ersten Siegen gegen Montenegro (106:76) und Schweden (105:83) bekam das Team diesmal Gegenwehr. Zum X-Faktor wurde Schröder-Kumpel Daniel Theis, der 23 Zähler beisteuerte, alle seine neun Würfe verwandelte und zudem stark verteidigte.
Möglichst spät gegen Serbien
„Der hat heute richtig abgeliefert. Was er heute sowohl defensiv als auch offensiv abgeliefert hat, war wirklich überragend“, sagte Ibrahimagic. Von seinem Team forderte er: „Nach vorne schauen, fokussiert bleiben.“ Gelingen gegen Großbritannien am Montag (15.30 Uhr/MagentaSport und RTL) und Finnland am Mittwoch (19.30 Uhr) zwei weitere Siege, ist Platz eins perfekt.
Der Gruppensieg in Finnland ist deshalb wichtig, um Topfavorit Serbien mit NBA-Star Nikola Jokic möglichst lange aus dem Weg zu gehen. Werden beide Teams Gruppensieger, ist ein Aufeinandertreffen erst bei einem möglichen Endspiel am 14. September in Riga möglich. Die von tausenden in grün gekleideten Fans angefeuerten Litauer stellten Deutschland bei dieser EM erstmals richtig auf die Probe.
Deutschlands 21:3-Lauf verpufft
Anders als bei den bisherigen deutschen Spielen herrschte diesmal richtig Stimmung – auf den Rängen, aber auch auf dem Parkett. Litauens Fans begannen lautstark und euphorisch, doch ihre Profis gerieten schnell mit 2:10 in Rückstand. Schröder und Theis spielten immer wieder gemeinsam und sorgten früh für ein paar erste Höhepunkte.
Es entwickelte sich ein offenes Duell auf offensiv allerhöchstem Niveau. Deutschland um Wurfspezialist Andreas Obst traf Dreier um Dreier, gleichzeitig erlaubte sich der Weltmeister über 20 Minuten kaum Ballverluste. Nach einem fulminanten 21:3-Lauf war das Ibrahamagic-Team zwar früh auf Siegkurs – doch die Litauer kämpften sich zurück. Und waren zur Halbzeit bei einem Rückstand von acht Punkten in Reichweite.
Erinnerungen an Duell in Köln
Phasenweise erinnerte das Duell an das EM-Aufeinandertreffen 2022 in Köln. Damals hatte sich Deutschland erst nach zwei Verlängerungen und jeder Menge Aufregung mit 109:107 durchgesetzt – und später die Bronzemedaille geholt. Obwohl beide Teams schon vor dem Duell für das Achtelfinale in Riga planen konnten, war die Intensität riesig.
Auch nach dem Wechsel blieb die Partie attraktiv. „Wenn wir das Tempo hochhalten und schnell sind, dann sehen wir gut aus. Wir müssen einfach weitermachen“, kündigte Ibrahmagic an. Litauen startete stark ins dritte Viertel, doch Deutschland hielt mit viel Qualität dagegen. Erst warf Wagner einen Dreier über Litauens NBA-Hünen Jonas Valanciunas, dann legten Schröder und Theis nach. Am Ende wurde es auch im dritten Spiel sogar dreistellig, den 100. Punkt erzielte Theis per Freiwurf.