Frisieren auf Schiene: Mit einem neuen Angebot versuchte die Deutsche Bundesbahn Ende der 1980er die Kunden zu überzeugen – mit überschaubarem Erfolg.
Ein neuer Haarschnitt bei Tempo 160, die Landschaft fliegt vorbei: In den 1980er Jahren probierte sich die Deutsche Bundesbahn an einer Innovation. In einem rollenden Friseursalon – eingereiht in einen Intercity – sollten Reisende die Zeit im Zug für einen Friseurbesuch nutzen.
Dazu kooperierte die Behördenbahn ab Mai 1989 mit der Wolfsburger Friseurkette Klier. Ein Abteilwagen wurde dazu mit Waschbecken, Friseurstühlen, Spiegeln und Wartebereich ausgerüstet – und schon konnte es losgehen mit dem Frisieren auf Schienen, wenn auch mit besonderen Herausforderungen.
Intercity-Friseur mit Einschränkungen
Wegen des Schaukelns des Zuges und möglicher Notbremsungen wurde an Bord vorsichtshalber nicht rasiert und auch die damals angesagten Dauerwellen waren wegen der knappen Zeit nicht im Angebot. Die Friseusen – wie es damals hieß – mussten sich ebenfalls angesichts des ungewöhnlichen Arbeitsplatzes etwas anpassen. „Man stellt sich anders hin, ein bisschen breitbeinig, lehnt sich an einen Stuhl – und dann geht das auch“, sagte eine von ihnen bei der Jungfernfahrt dem damaligen Süddeutschen Rundfunk. Sollte doch mal etwas schiefgehen, sei eine umfassende Haftpflichtversicherung vorhanden, versicherten Bundesbahn und Klier.
Schere und Kamm als Piktogramm: Der Friseursalon war in einem Intercity-Wagen der ersten Klasse untergebracht – gemeinsam mit den Raucherbateilen
© Teutopress
Preislich konnte das Angebot durchaus mit Salons auf festem Boden mithalten – Waschen, Schneiden, Föhnen kosteten für die Dame 28,50 D-Mark, für den Herren 23,50 D-Mark. Trotzdem blieb der Erfolg des rollenden Friseurs überschaubar.
Bundesbahn stellte Angebot wieder ein
„Das mit dem Friseurladen wird wahrscheinlich eine Eintagsfliege bleiben. Die Verdienstspanne ist für den Pächter sehr gering“, erklärte die Bundesbahn schon gut ein Jahr nach dem Start des neuen Angebots auf der Strecke zwischen Hamburg und Köln. Und kurz darauf wurde der Service auch schon wieder eingestellt (was bei der Bahn im Laufe Jahre ebenfalls auf der Strecke blieb, sehen Sie hier in unserer Fotostrecke).