Buntes: Stroh-Brautpaare sind ländliche Hingucker

Nette Überraschung für Brautpaare: Überdimensionale Strohballen-Figuren weisen auch in diesem Sommer an einigen Dorfrändern auf bevorstehende Hochzeiten hin.

In ländlichen Regionen Hessens begegnet man ihnen vor allem im Sommer häufiger: Stroh-Brautpaare sind unübersehbare Hinweise auf bevorstehende Hochzeiten. Meist stehen die aus Strohballen zusammengebauten Figuren an Ortsrändern. Mit farbigen Folien, Tischdecken, Vorhängen und anderen Tüchern als Kleidung und Schleier sowie Eimern als Kopfbedeckung sind die Figuren als Bräutigam und Braut gestaltet. Auch Vlies und andere Materialien kommen zum Einsatz.

„Es handelt sich um einen alten Brauch, der bis heute gepflegt wird und vor allem für den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft steht“, erklärte eine Sprecherin des Hessischen Bauernverbandes. Häufig sind auf oder neben den Strohpuppen die Namen des Brautpaares oder das Datum der kirchlichen Trauung beziehungsweise des Polterabends zu lesen. „So werden sie zur ortsüblichen „Save-the-Date-Karte““, so die Sprecherin. Die Strohballen dafür stelle meist ein ortsansässiger Landwirt.

Schmücken als Gemeinschaftsevent

Geschmückt werden die Figuren in der Regel von Angehörigen, Trauzeugen und Freunden des Brautpaares. Schon dieses Schmücken gelte als Ereignis, das gemeinsam gefeiert werde. Die Figuren würden rund vier Wochen vor der Hochzeit aufgestellt, um das Paar zu überraschen und ihm eine Freude zu bereiten.

Nach der Hochzeit werden die Figuren dann zu Tierfutter oder Einstreu: Durch die Folie seien Stroh oder Silo gut geschützt, so dass die überdimensionalen Paare wieder auseinandergenommen und das Material verwendet werden kann.

Am häufigsten stehen die Strohfiguren als freundlicher Blickfang für Brautpaare in der Landschaft, doch auch zu anderen Gelegenheiten werden sie zusammengebaut. Einen Schlepper aus Strohballen gestalteten Landwirte beispielsweise in der Wetterau zum Kreiserntedankfest, wie Kreislandwirt Michael Schneller sagt.

Auch wenn die Ballen jetzt bereits von den Feldern eingebracht wurden, könnten sie zu bestimmten Anlässen wieder hervorgeholt und für die Figuren verwendet werden. „Das geht eigentlich das ganze Jahr“, sagte Schneller. Zum Einsatz als Baumaterial kämen in der Regel runde Ballen für die Gesichter der Figuren sowie eckige Ballen für die Arme. Die damit symbolisierten Brautpaare hätten meist selbst einen Bezug zur Landwirtschaft.